© 2020 by Bastei Lübbe AG, Köln, Deutschland

Ich habe vor kurzem „Berühre mich. Nicht.“ und „Verliere mich. Nicht.“ von Laura Kneidl gelesen und geliebt. Ich fand die Bücher so toll, dass ich sie fast schon eingeatmet habe. Beide Teile haben volle 5 Sterne bekommen und ich hätte am liebsten noch mehr vergeben. Umso neugieriger war ich auf Lauras zweite New Adult Reihe. Josy und ich haben uns entschlossen, das Buch gemeinsam zu lesen. Unsere Meinungen zu „Someone new“ sind sich sehr ähnlich.

Leider konnte mich das Buch nicht überzeugen. Durch die erste Hälfte habe ich mich durchgequält und nach 50% war ich mir schon sicher, dass ich es abbrechen werde. Josy war etwas schneller beim Lesen und hat mich überzeugt, dass ich es zu Ende lesen soll. Das habe ich dann auch getan und es hat sich gelohnt. Aufgrund der Überraschungen, die die Geschichte am Ende bereithielt, konnte sich das Buch noch etwas retten.

Positiv an „Someone New“ war, dass insbesondere ein Thema eingeführt wurde, das mir bisher in keinem anderen Buch begegnet ist. Das fand ich wirklich interessant und originell. Neben dem „Hauptgeheimnis“, das den Love Interest betrifft, wurde auch noch eine andere Sache verdeckt gehalten, dass mich auch noch neugierig gemacht hat.

Kommen wir zu meinen Kritikpunkten:

Der Schreibstil. Mir tut es in der Seele weh den Schreibstil in diesem Buch zu kritisieren, da ich Lauras Schreibstil in „Berühre mich. Nicht.“ einfach super fand. In „Someone new“ hatte ich allerdings ordentlich zu kämpfen, vor allem in der ersten Hälfte. Ich habe mich teilweise so gefühlt, als wenn ich gar nicht im Geschehen bin, da viele Dinge nicht wirklich dargestellt wurden. Die Handlung geriet immer wieder ins Stocken, da Ereignisse übersprungen wurden oder einfach zusammengefasst, ohne dass ich als Leser daran teilhaben konnte. Hinzu kommt, dass bestimmte Informationen einfach wiederholt wurden. Zum Beispiel erzählt die Protagonistin, dass sie sich einen gefälschten Ausweis besorgt hat, um in bestimmte Clubs reinzukommen. Mehrere Seiten später, erklärt sie dem Leser erneut, warum sie diesen Ausweis hat, ohne eine neue Info zu geben. 

Die Protagonistin. Mit Micah konnte ich mich bis zum Schluss nicht anfreunden. Ich wurde nicht nur nicht richtig warm mit ihr, ich konnte sie einfach nicht leiden. Ihre Art war mir total fremd und ihre Ansichten habe ich nicht verstanden. Zudem konnte ich mir nicht vorstellen, wer sie eigentlich ist. Sie kommt aus reichem Hause und ihre Mutter hat ihr immer teure Designerkleidung aufgedrängt, selbst zum Familienessen kommt sie in einem schicken Kleid. Sobald sie aber nicht bei ihren Eltern ist, trägt sie (ausschließlich?) T-Shirts mit Comic-Aufdrucken. Hat sie sich die alle nach dem Auszug gekauft oder nur heimlich getragen? Sie macht gefühlt auf jeder Seite mindestens eine Anspielung auf einen Comic, eine Serie oder einen Film. In Gegenwart ihrer Eltern ist von dieser nerdigen Seite aber wieder gar nichts zu sehen.

Dann ihr Verhältnis zu den Eltern. Die Eltern haben sich wirklich unglaubliches in Bezug auf Micahs Bruder geleistet. Außerdem drängen die Eltern sie zu einem Studium, auf das sie gar keine Lust hat und reden ihr wirkliches Talent klein. Sie versucht alles damit zu rechtfertigen, dass die Eltern ja immer liebevoll waren und es ihnen an nichts fehlte. Ich konnte null einschätzen, ob Micah nun gut mit ihren Eltern klarkommt oder nicht. Vielleicht hat sie sich auch nur gut mit ihnen gestellt, damit ihr der Geldhahn nicht abgedreht wird? Ich hatte keine Ahnung…

Im Umgang mit Julian habe ich Micah als distanzlos empfunden. Sie hat zwar eine forsche Art, aber teilweise hat sie die Grenzen von ihm gar nicht respektiert und sich immer wieder als Opfer dargestellt. An seiner Stelle hätte ich mich ihr gegenüber gar nicht öffnen wollen.

Nebencharaktere und ihre Sorgen. Laura hat in diesem Buch sämtliche gesellschaftliche Randgruppen-Problematiken eingebaut. Julian und Micahs Bruder haben beide jeweils ein Päckchen zu tragen, dass ähnliche Reaktionen des Umfelds auslöst. Allein das war mir schon zu viel für ein Buch. Hinzu kommen noch Themen wie Teenagerschwangerschaft, Ausgrenzung/Kritik aufgrund des Körpergewichtes, Ausgrenzung aufgrund der Herkunft einer Person. Das sind alles spannende und vor allem wichtige Themen und es freut mich, dass sie in einem New Adult Buch behandelt werden. Aber alles in einem Buch war mir too much. Fazit: Das Thema im Buch hatte wirklich großes Potenzial und ich finde es super, dass Laura das aufgegriffen hat. Leider hat mir die Umsetzung nicht so gut gefallen. Ich lasse es jetzt ein bisschen sacken und überlege mir dann, ob ich „Someone else“ eine Chance gebe.

Kategorien: Rezension

0 Kommentare

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.